Fotografie : Die helle Kammer: Bemerkungen zur Photographie

Die helle Kammer: Bemerkungen zur Photographie

EUR 7,07


roman - was meine vorredner schreiben ist grundsätzlich falsch.die helle kammer ist barthes schönster roman und faktisch kein werk von wissenschaftlichem interesse (was die schmähliche mißachtung in kreisen etablierter wissenschaftlichkeit sehr gut bezeugt). auch wenn es zunächst den anschein haben mag, dass dieses buch ein methodisches konzept zur untersuchung des phänomens fotografie entwerfen möchte, macht barthes schnell klar, dass es ihm um etwas vollkommen anderes geht: dem recht auf subjektive, d.h. durch eine gesetzmäßige, allgemein-überprüfbare formel nicht einzufangende, erfahrung. diese erfahrung ist nicht die fotografie selbst (oder der wahrnehmungsakt), sondern das sprechen durch das zeichen hindurch, (er schreibt gleich zu beginn, dass wissenschaft vor allem eines schafft: normierung, überprüfbarkeit, marginalisierung, die vernichtung subjektiver erfahrung, aus diesem grund nutzt er die möglichkeiten der erzählung, des erzählers, des individuellen).die helle kammer handelt vom tod barthes mutter, von seinem vorhaben ihr eine dauerende gestalt zu geben und gerade dieses vorhaben gelingt in aller fasslichkeit. mit wissenschaft hat das alles nichts zu tun und das ist das schöne an diesem buch.

Inspirierende Subjektivität - Mit seinem Buch Die helle Kammer bringt Barthes endlich Licht in das viel zu oft einseitig behandelte Thema der Fotografie. Er betrachtet nicht nur, was auf einer Fotografie abgebildet ist, sondern verleiht dem gesamten Spektakel der Fotografie(spectre bedeutet im französichen Gespenst) einen mystischen Hauch, der auf mich sehr erfrischend wirkte. Er interpretiert ausgewählte Fotografien auf einer sehr persönlichen, ja metaphysischen Ebene und ermöglicht dem Leser neue Sichtweisen für seine eigenen persönlichen Fotos. Mich hat dieses Buch sehr überzeugt und meine Sichtweise der Dinge stark verändert.Wer allerdings eine Ansammlung von Fototheoretischen Fakten sucht ist mit dem Buch falsch bediehnt.

Helle Kammer - Dunkelkammer? - Das Buch versucht Licht zu bringen in die Geheimnisse der Dunkelkammer, in das Geheimnis der Betrachtung fotografischer Bilder. Dabei ist signifikant, daß von der wichtigsten Fotografie in diesem Buch nur die Rede ist, daß diese Fotografie in diesem Buch nicht abgebildet ist: das Wintergartenfoto mit der verstorbenen Mutter von Barthes als kleines Mädchen. Warum ist dieses Foto nicht abgebildet, warum wird trotzdem so viel über dieses Foto geredet? Weil es dem Leser nichts brächte, würde er das Foto vor Augen haben. Vor Augen hat er jedoch die Erläuterungen von Barthes, seinen subjektiven Eindruck. Damit statuiert Barthes ein Exemplum: Jeder muß in Fotos seine eigene Lektüre lesen, sich zu seiner Subjektivität bekennen in der Betrachtung fotografischer Bilder.




Die helle Kammer: Bemerkungen zur Photographie